01_06_30salon_wolfg_ann_7cm

Hier ein paar Gedanken eines Kursteilnehmers. Ähnlichkeiten mit anderen lebenden Personen sind erfahrungsgemäß vorhanden und vielleicht erkennt sich ja der eine oder andere wieder.

Mein Anfängerglück

So hab ich mir das nicht vorgestellt. Tango, das war für mich immer Vor-Vor-Wie-Ge- Schritt-Rück-Seit-Schluss. Den Rhythmus hab ich nie kapiert und bei Hochzeiten und anderen unvermeidlichen Feiern stehe ich immer da wie ein Holzklotz. Meine Frau versucht dann zu führen. Meist vergeblich. Es ist jedesmal fürchterlich peinlich.

Und jetzt stehe ich da, soll mich auf meine Achse konzentrieren, darauf achten, wo mein Gewicht ist, mit meiner Frau und Tanzpartnerin einen Dialog führen.

Sie ist überhaupt schuld daran, dass wir hier sind. Hat mir den Tangokurs zum Geburtstag geschenkt. Was bleibt einem da anderes übrig.

Tatsache ist: Ich tanze gern. Ich habe nur keine Begabung dafür.

Am Anfang der Stunde haben unsere Tanzlehrer uns im Kreis herumgehen lassen, allein, ohne Partner und haben den Takt mitgeklatscht. Ich muss zugeben, das hat funktioniert. Ist ja auch einfach genug. Gehen!

Jetzt stehen wir also voreinander ich verlagere mein Gewicht von einem Fuß auf den anderen, behutsam aber so deutlich, dass meine Frau es merkt. Das ist neu – für uns beide. Keinen Grundschritt auswendig lernen sondern spüren was der Partner macht, leise Signale geben und empfangen. Jetzt mache ich einen noch zögerlichen Schritt nach vorne, richtig auf den Takt, den unsere Tangolehrer immer noch mitklatschen. Meine Frau macht den Schritt mit. Ich steige ihr nicht auf die Füße, ein Erfolgserlebnis. Jetzt noch ein Schritt und noch einer. Wieso klappt das auf einmal?

„Bitte gerade stehen! Nicht nach vorn beugen, sonst fühlen die Damen nicht was ihr ihnen vorschlagt.“ Unsere Tanzlehrerin sagt es für alle, aber ich weiß, dass sie mich meint. – Oder?

Überhaupt, „Führen“ gibt es hier nicht. Wir sollen die Damen einladen, verführen. Sie sollen fühlen was wir ihnen vorschlagen Und das während des ganzen Tanzes. Eine echte Herausforderung.

Ich merke, dass das Ganze anfängt mir Spaß zu machen. Ich muss mich nicht auf Schrittfolgen konzentrieren, nichts auswendig lernen. Auch meiner Frau scheint es zu gefallen. Immerhin zischt sie mir keine Anweisungen zu.

Hoppla, nun sind wir doch zusammengerumpelt. Einen Moment lang nicht aufgepasst. Wir schauen uns verdutzt an und dann müssen wir beide lachen. Ich merke schon, da gibt es noch viel zu tun. Aber ein Anfang ist gemacht.

MarillllLynne and Walter Kane, Tango mit Eleganz und viiiel Gefühl

MariLynne and Walter Kane, Tango mit Eleganz und viiiel Gefühl

Zugegeben, dieser Post  enthält auch ein bißchen Werbung. Aber die ist immerhin ehrlich. Von Walter und MariLynne war ich nämlich außerordentlich beeindruckt. Sie sind der lebende Beweis dafür, daß die Überschrift meines Artikels richtig ist. Als ich die beiden das erste Mal tanzen sah waren sie das mit Abstand älteste Paar auf der Tanzfläche und für mich das eleganteste. Einfach toll den Beiden zuzusehen auch und vielleicht gerade weil sie ohne großen Schnickschnack aber dafür mit viel Gefühl tanzten.

Walter und MariLynne sind mittlerweile weit über 70 Jahre alt und lernten sich vor mehr als 50 Jahren beim Tanzen kennen. Der Tanz hat ihr ganzes Leben begleitet.
1997 entdeckten sie den argentinischen Tango – und auch das war Liebe auf den ersten Blick. Seitdem haben sie sich ganz dem Tango verschrieben und sich u.a. bei Danel & Maria Bastone, Facundo & Kely Posadas, Alberto Paz & Valorie Hart, Gustavo Naveira & Giselle Anne zu Tangolehrern ausbilden lassen. Seit 2000 unterrichten sie im eigenen Studio „El Rincón de Los Tangringos“ und verschiedenen anderen Tanzschulen im Staat New York.
Eine ganz wichtige Erfahrung für sie waren die traditionellen Milongas in Buenos Aires, wo sie im Laufe der Jahre von den alten Portenos lernten und tiefe Freundschaften entwickelten.
Dementsprechend tanzen sie den klassischen „Milonguero-Stil“: improvisiert, und mit viel Gefühl, Eleganz und Präzision der Bewegungen. In ihrem Unterricht legen sie vor allem Wert auf das „sentimiento“, das Gespür für die Verbindung mit dem Partner im Einklang mit der Musik.

Ihre goldene Hochzeit haben sie 2002 mit einem Tango-Urlaub in La Rogaia gefeiert. Alle Anwesenden waren von ihrem innigen und ganz persönlichen Tanzstil begeistert, der die Lebenserfahrung einer langen Partnerschaft auch im Tanz widerspiegelt. Ich freue mich daher ganz besonders darüber, dass sie nochmals den weiten Weg von New York nach La Rogaia auf sich nehmen, um uns an dieser besonderen Erfahrung teilhaben zu lassen.

Mehr über Walter und MariLynne unter www.los-tangringos.com/

Unmittelbarer Erfolg von "Blicken und Nicken"

Unmittelbarer Erfolg von "Blicken und Nicken"

Es ist fast zu schön um wahr zu sein. Mittlerweile ist die leidige Diskussion darüber ob beim Tango die Damen die Herren zum Tanz einladen dürfen wohl endgültig Schnee von Gestern.

 

 

Offenbar hat sich inzwischen auch unter europäischen Tangotänzern herumgesprochen, dass in Argentinien sowohl Herren als auch Damen sich gegenseitig aufs Heftigste auffordern. Allerdings nicht in europäischer Tanzstundenmanier sondern durch Mirada y Cabeceo, was man ganz gut mit „Blicken und Nicken“ übersetzen kann. Augenkontakt quer über den Saal, ein zustimmendes Nicken, vielleicht ein Lächeln, und schon hat man sich auf elegante Weise darauf verständigt miteinander zu tanzen. Niemand gibt sich dabei eine Blöße und wer nicht tanzen will schaut halt woanders hin. Wenn der oder die Auserkorene nicht anbeißt, gut, kein Problem, dann versucht man eben jemand anderen mit seinem Blick einzufangen.

Der neue Tango Talk Blog den ich Euch heute vorstelle ist wenn man so will meine „Mirada“ mein Blick zu Euch Tangobegeisterten quer durch das Internet.

Ich bin gespannt ob auf das Blicken auch ein zustimmendes Nicken folgt und freue mich schon darauf.

Wolfgang